Letzte Sitzung des Corona-Krisenstabs

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Zwischenzeitlich rund 350 zeitgleich Infizierte in Münster / Dank an Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer

Anstrengende Wochen und Monate liegen hinter dem städtischen Corona-Krisenstab, der am Mittwochmorgen, 10. Juni, zum letzten Mal im Rathaus tagte. Vorausgegangen waren 41 Sitzungen, in denen weitreichende Entscheidungen zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger Münsters getroffen wurden. 41 Sitzungen, in denen Prävention und Information die Überschrift aller Maßnahmen bildeten, aber auch die Aufrechterhaltung der Verwaltungsfunktionen klare Handlungsvorgabe war. Nun – gut 100 Tage nach Einberufung der ersten Krisenstabssitzung und 70 Tage nach dem zwischenzeitlichen Höchststand zeitgleicher Infektionen (348) – stagniert die Gesamtzahl der Infizierten zum vierten Mal in Folge bei 725, während die Genesungszahlen (693) weiter steigen. „Wir hatten die Pandemie in Münster immer im Griff, haben dazu gelernt und wissen, worauf es bei einer möglichen zweiten Welle ankommen wird“, sagt Wolfgang Heuer – Dezernent und Leiter des Krisenstabs.

Als sinnvoll erwies sich dabei die erstmalige Einbindung von medizinischen Institutionen wie der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Uniklinik (UKM), als besonders förderlich die überaus große Solidarität in der Bevölkerung. „Ohne die disziplinierte und verständnisvolle Reaktion der großen Bevölkerungsmehrheit stünden wir heute ganz anders da“, so Heuer. Ende Januar wurde die erste Corona-Ansteckung in Deutschland aktenkundig, am 29. Februar der erste Infektionsfall in Münster. Der Krisenstab reagierte frühzeitig, schaffte im Zusammenspiel mit den lokalen medizinischen Akteuren umfangreiche zusätzliche Raum- und Testkapazitäten, stellte besondere Versorgungsangebote für die unterschiedlichen Ziel- und Risikogruppen der Stadt sicher und verblieb in steter Abstimmung auch mit den hiesigen Pflegeeinrichtungen.

„Die Stadt hat seit Beginn der Krise die Linie verfolgt, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und damit insbesondere die Sorge um die Risikogruppen in das Zentrum aller Maßnahmen zu stellen“, so Heuer. In der Folge wurde Münster dann auch zum großstädtischen Vorreiter in NRW bei der Umsetzung der Maskenpflicht. Seit einigen Wochen werden die Schutzmaßnahmen schrittweise gelockert. „Jeder Schritt setzt oftmals eine schwierige Abwägung voraus“, sagt der Leiter des Krisenstabs, „wichtig ist, dass Entscheidungen nachvollziehbar sind und verständlich kommuniziert werden.“

Mit ausschlaggebend für die erfolgreiche Umsetzung der Anti-Corona-Maßnahmen sind Information und Aufklärung. Auch hier hat Münster Maßstäbe gesetzt: Weit mehr als eine Million Aufrufe hat die eigens initiierte Corona-Info-Website des Presseamtes in dieser Zeit registriert, mehr als 16.000 Anrufe gingen bei der städtischen Corona-Hotline ein, über 1000 E-Mails mit Corona-Fragen wurden beantwortet. Überdies nutzten Städte, Kreise und Institutionen bundesweit die Infografiken der Stadt Münster.

Oberbürgermeister Markus Lewe erinnerte am Mittwochmorgen an den Start der Krisenstabsarbeit – zunächst in der Feuerwache am Friesenring, später im Rathaus. In den ersten Sitzungen wurde noch die Verhältnismäßigkeit einer einzelnen Schulschließung und einer Absage des Sends diskutiert, dann aber gingen dramatische Bilder aus Italien und Spanien um die Welt – und die Pandemie entwickelte sich so dynamisch wie unvorhersehbar. Lewe dankte den Beteiligten für ihre unermüdliche Arbeit in dieser Ausnahmesituation. Besonderen Dank richtete er dabei an Wolfgang Heuer für dessen souveräne Leitung des Krisenstabs und den fortwährenden Verzicht auf Erholungszeiten.

Wie geht es nun weiter? Die Stadt Münster bereitet sich auf eine längere Auseinandersetzung mit dem Virus vor, auch wenn die Intensität möglicher Wellenbewegungen nicht vorhersehbar ist. Die bereits gemachten Erfahrungen aus der ersten Pandemie sind dabei die Wegweiser: „Flexibel steuerbare Krankenhausversorgung inklusive eines mobilen Hilfskrankenhauses, eine ausreichende Bevorratung von Schutzkleidung, erweiterte Testkapazitäten, das Aufspüren kritischer Konstellationen wie beispielsweise Sammelunterkünfte, dazu eine weiterhin transparente Informationspolitik und das Thema Kontakteinschränkung“, zählt Wolfgang Heuer einige dieser Ansätze auf. „Entscheidend bleibt aber, dass die Grundregeln des Infektionsschutzes aufrechterhalten werden: Wir können die Pandemie durch unser Verhalten beeinflussen.“

Die weitere Bearbeitung der Pandemie wird zukünftig in den normalen Bahnen des Verwaltungshandelns erfolgen – insbesondere das Gesundheits- und Veterinäramt bleibt an vorderster Front tätig.

 

Weitere Zahlen und Fakten:

  • 9.002 Corona-Kontrollen wurden seit dem 26. März bis heute durch den Kommunalen Ordnungsdienst durchgeführt – dabei wurden 3.686 Verstöße vor allem gegen die Mindestabstandsregeln festgestellt
  • Insgesamt 128 Lageberichte wurden an die Bezirksregierung verschicktBei Großeinsatzlagen und Katastrophen leiten und koordinieren die kreisfreien Städte die Abwehrmaßnahmen. Sie richten Krisenstäbe und Einsatzleitungen ein. (…) Der Krisenstab der kreisfreien Stadt koordiniert und trifft alle im Zusammenhang mit dem Schadensereignis stehenden und zur Gefahrenabwehr erforderlichen administrativ-organisatorischen Maßnahmen.
  • Die Mitglieder des Corona-Krisenstabs: Dezernent I (Leiter), Dezernentin V, Dezernent Oberbürgermeister, Leiter Presse- und Informationsamt, Leiter citeq, Leiter Ordnungsamt, Leiter Amt für Bürger- und Ratsservice, Leiter Feuerwehr, Leiterin Sozialamt, Leiter Gesundheits- und Veterinäramt, Leiter Amt für Immobilienmanagement, Leiter Amt für Schule und Weiterbildung, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Ärztlicher Direktor des UKM, Leiter Bezirksstelle Münster der KVWL, dazu Vertreter Stadtwerke Münster, Polizeipräsidium Münster, Hilfsorganisationen, Pflegeeinrichtungen und Verbindungskommando der Bundeswehr

 

Ergänzend: Die bisherige Corona-Chronik in Münster

  • Januar: Gesundheitsamt, Feuerwehr, Krankenhäuser und KVWL stimmen intern erste Maßnahmen zu einer möglichen Corona-Welle ab
  • 26. Februar: Stadt Münster veröffentlicht Empfehlungen zur Infektionshygiene
  • 27. Februar: Einberufung des Krisenstabs für den 2. März
  • 29. Februar: Erster Infizierter (51 J.) nach zweiwöchigem Urlaub im Iran
  • Anfang März: Transparenzoffensive der Stadt startet
  • Anfang März: systematische Umwidmung von normalen Krankenhausbetten in Corona- bzw. Intensiv-Betten startet
  • 4. März: Erste Kita präventiv geschlossen
  • 5. März: Erste Schule präventiv geschlossen
  • 10. März: Send-Absage durch die Stadt
  • 13. März: Stadt untersagt Club- und Tanzveranstaltungen
  • ab 14. März: Ankauf von etwa 500.000 Materialien für den Schutz vor allem in systemrelevanten Einrichtungen, Berufen und ausgewählten Bevölkerungsgruppen
  • 15. März: Theater Münster wegen Infektionen in der Belegschaft geschlossen
  • 15. März: Diagnosezentrum/„Test-Container“ an Halle Münsterland (mit KVWL)
  • 16. März: Land NRW schließt alle Schulen und Kitas
  • 18. März: „lock down“: Allgemeinverfügung der Stadt zur Schließung von Einrichtungen, Geschäften, Lokalen, Sportanlagen, Kultureinrichtungen usw. sowie Verbot von Veranstaltungen; sukzessive verschärfte Auflagen am Wochenmarkt, der aber dauerhaft erhalten bleibt
  • 26. März: Erster Todesfall in Münster
  • 26. März: Corona-Therapiezentrum in der Uppenberg-Schule (mit KVWL)
  • 30. März: Einrichtung einer „Kommunalen Krankenhilfe-Einrichtung“ im DRK-Institut, Sperlichstraße, zur Entlastung von Krankenhäusern
  • 31. März: zwei Anlauf- und Versorgungsstellen für wohnungslose Menschen
  • 14. April: „Münsters gute Naht“ – Aktion mit Kirchen und Apothekerkammer
  • 20. April: Münster führt als erste Großstadt in NRW die Maskenpflicht ein; später zieht Landesregierung mit allgemeiner Maskenpflicht nach; parallel laufen erste Lockerungen an
  • 30. April: „Gastro-Gipfel“ und andere Maßnahmen zur Dämpfung der wirtschaftlichen und kulturellen Folgeschäden
  • 11. Mai: Entscheidung, Erntehelfer/innen auf drei Bauernhöfen zu testen – Ergebnis: von 313 Tests sind vier positiv
  • 14. Mai: in einer Großfamilie in Angelmodde zahlreiche Infizierte
  • 20. Mai: In der Hauptschule Wolbeck beginnt der Test von 225 Personen: sieben Infektionen
  • 9. Juni: 19 aktuell Infizierte; 725 Münsteraner insgesamt infiziert; 13 Todesfälle
  • 10. Juni: 41. und letzte Sitzung des Krisenstabes

Quelle: Stadt Münster

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