Erstmals grün, erstmals Berg Fidel

Wilfried Stein setzt auf echte Einwohnerbeteiligung / Porträtserie: Neue Bezirksbürgermeister für Münster (Teil fünf)

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Jeweils einen Bezirksbürgermeister haben die Bezirksvertretungen Mitte, Ost, Südost, Hiltrup, West und Nord im November aus ihren Reihen gewählt. Die sechs Kommunalpolitiker – vier Grüne, ein Sozial- und ein Christdemokrat – werden ihre jeweiligen Stadtteile prägen, ihre Ziele und ihre Persönlichkeit in das dortige Leben einbringen. Unsere Serie stellt sie vor. In der Bezirksvertretung Hiltrup, zuständig für Hiltrup, Amelsbüren und Berg Fidel, ist Wilfried Stein (Grüne) der erste Bezirksbürgermeister, der in dem zuvor unterrepräsentierten Stadtteil hinter dem Preußenstadion lebt.

„Mit der Kommunalwahl hat sich viel verändert. Mit mir ist erstmals ein Grünen-Politiker Bezirksbürgermeister von Hiltrup geworden – und erstmals jemand, der aus Berg Fidel kommt. Da bringt man schon eine andere Lebensrealität mit in die politische Arbeit“, sagt Wilfried Stein. Menschen aus 40 Nationen leben in seinem Stadtteil, manche in engen Wohnverhältnissen. Das Durchschnittseinkommen ist gering, eine Vereinsstruktur gibt es kaum – aber das Bürgerzentrum „Alte Post“, dessen Vorsitzender Wilfried Stein ist. „Hier in Berg Fidel leben wir friedlich zusammen – obwohl wir nicht immer wissen, warum uns das gelingt.“

Für sein neues Ehrenamt als Bezirksbürgermeister bringt der 67-Jährige nicht nur diese Erfahrungen, sondern auch viel Zeit mit. „Seit ich im Ruhestand bin, engagiere ich mich verstärkt. Denn trotz nur mittlerer Startbedingungen hat mir die Gesellschaft viel gegeben, ich konnte mit Bafög frei und unabhängig mein Studium aufnehmen. Jetzt kann ich ihr etwas zurückzugeben“, sagt Wilfried Stein.

In den 1970er-Jahren hat er Pädagogik studiert, politisches Denken war bei seiner jahrzehntelangen Arbeit in der Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe schon immer unerlässlich. „Mit den Grünen hatte ich bereits früh sympathisiert, wurde aber kein Grüner der ersten Stunde“, sagt der Bezirksbürgermeister. Erst Mitte der 1990er-Jahre wurde Mitglied des Ausschusses für Kinder, Jugendliche und Familien und trat einige Jahre später in die Partei ein. Seit 2014 ist Stein aktiv in der BV Hiltrup. Dass er dort in seiner zweiten Wahlperiode Bezirksbürgermeister wird, war jedoch nicht sein Ziel. „Aber nach dem guten Wahlergebnis war es eine Option. Alle konnten sich auf mich einigen – und das fühlt sich gut an.“

Sich zu einigen trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeiten – das gefällt Wilfried Stein an der kommunalpolitischen Arbeit auf Bezirksebene: „Hier kann man gemeinsam viel erreichen. Ich schätze, dass wir 95 Prozent aller Entscheidungen einvernehmlich treffen.“ Am Herzen liegt ihm auch, die Einwohnerinnen und Einwohner der drei Stadtteile des Bezirks mitzunehmen bei politischen Prozessen und Beschlüssen. „Ich will echte Beteiligung erreichen, ob es nun um Verkehrslenkung, Baugebiete oder Kitas und Schulen geht“, sagt Wilfried Stein. Dafür müsse man rechtzeitig informieren und geeignete Orte finden. „Die Ergebnisse solcher Bürgerbeteiligungen müssen sich in den Entscheidungen widerspiegeln. Schließlich sind wir nicht ,die da oben´ – sondern Menschen, mit denen man mehrheitsfähige Kompromisse erarbeiten kann.“